Geschichte der Gospelmusik


 

Historie zur Entstehung der Gospelmusik

- Von den Ursprüngen bis Anfang der 30er Jahre -

Bei vielen afrikanischen Stämmen begleitete, bzw. begleitet auch heute noch, Singen die täglichen Feld- und Hausarbeiten. Diese Gewohnheit behielten die Sklaven in Nordamerika bei. Für ihre Herren hatte das den Vorteil, dass singende Sklaven Arbeiten williger und zufriedener verrichteten. Die Gewohnheit, tagsüber zu singen, findet sich nach wie vor in afroamerikanischen Familien und deren Umfeld. Die Sklaven brachten ihre afrikanische Tonleiter mit, die anders als die europäische, Zwischentonschritte enthält, sogenannte "blue notes". Die Sklavenhändler versorgten die Neue Welt mit Menschen aus unterschiedlichen Regionen Afrikas. So kamen die meisten Sklaven für die englischen Kolonien aus der Sahelzone, während spanische und portugiesische Händler ihre Sklaven aus Westafrika nach Südamerika und in die Karibik brachten. In der Sahelzone war/ist es üblich, Zupfinstrumente zu verwenden. Ferner wurden dort Stammesgeschichten und Überlieferungen in Form von Liedern von Generation zu Generation weitergegeben, da diese Stämme keine Schrift entwickelt hatten. Hier finden sich erste Parallelen zum ländlichen Blues. In Westafrika hingegen sind Trommeln die hervorstechenden Instrumente und dies erklärt, warum in Südamerika und der Karibik hauptsächlich Schlaginstrumente genutzt wurden. Zudem war es den nordamerikanischen Schwarzen verboten, zu trommeln, da man befürchtete, sie könnten Nachrichten übermitteln. New Orleans war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine beliebte Einwandererstadt für Schwarze aus der Karibik. Diese Einwanderer brachten Schlaginstrumente mit und ihre Musik war stärker rhythmisch ausgeprägt. Als Synthese aus der europäisch beeinflußten Brassmusik und dem Gebrauch von Trommeln und Rhythmusinstrumenten wurde in New Orleans der Jazz geboren.

Ab 1807 wurde der Handel mit Sklaven seitens Großbritanniens verboten und in den folgenden Jahrzehnten in immer mehr Ländern durchgesetzt. Da Arbeitskräftemangel auf den Baumwollfeldern der Südstaaten herrschte, der nicht durch die Nachkommen der Sklaven ausgeglichen werden konnte, kam es zu weiteren verbotenen Einfuhren neuer Sklaven aus Afrika. Musikalisch ist dies insofern interessant, als damit unentwegt alte und neue Impulse die in Nordamerika vorhandene afroamerikanische Musik beeinflussten. Hier ist der direkte musikalische Bezug zum Blues und dem damit verbundenen Geschichtenerzählen evidenter als zur frühen schwarzen religiösen Musik, die wohl eher Formen des gemeinsamen Singens und der rhythmischen Bewegungen aufgegriffen hat.

Nach Lehmann entstanden die ersten schwarzen Kirchen als Baptistengemeinden zwischen 1773 und 1775 in South Carolina, 1776 in Peterburg, Virginia und 1780 in Richmond, Virginia. Am Ende des 18. Jahrhunderts gab es bereits zwei mitgliederstarke afroamerikanische Kirchenbewegungen, die African Methodist Church und die African Methodist Episcopal Zion Church. Die Zahl schwarzer Gemeinden wuchs in den folgenden Jahrzehnten rasch an, besonders in den Nordstaaten. Die während der Gottesdienste gesungenen Lieder haben sich wahrscheinlich an der Kirchenmusk der Weißen orientiert. Eine eigenständige schwarze Kirchenmusik dürfte sich damals noch nicht herausgebildet haben. Predigertätigkeiten waren in jener Zeit die einzigen beruflich herausragenden Möglichkeiten, die man Schwarzen zugestand. Dies erklärt das bis heute hohe Ansehen der afroamerikanischen Geistlichen innerhalb der schwarzen Bevölkerung Nordamerikas und ihre führende Rolle.

In der Zeit vor 1800 entstanden jene Lieder, die heute als Spirituals bezeichnet werden. Vermutlich wurden sie während der Arbeit und auch während Zusammenkünften gesungen und verdeutlichen oft in bildlicher Sprache Textstellen aus dem Alten Testament. Lehmann fasst die Definition der Spirituals weiter und bezieht alle nicht schriftlich verfassten afroamerikanischen religiösen Lieder bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert ein.

Spirituals waren eine Form der Weitergabe biblischer Inhalte an Gläubige die weder lesen noch die Bibel besitzen durften. Die aufgegriffenen Texte hatten direkte und indirekte Bezüge zum Leben der Sklaven und deren Hoffnung auf ein besseres Jenseits.

Die Jahre 1815/1830 waren die Zeit der großen Erweckungsbewegungen in Nordamerika mit ihren Camp Meetings. Schwarze und Weiße wurden gleichermaßen spirituell erfasst und die Camp Meetings endeten oft in einem ekstatischen, beschwörenden Abschluß. Schwarze wie Weiße sollen tief bewegt und beeindruckt gewesen sein. Ob diese Revivals nach Rassen getrennt abgehalten wurden ist nicht überliefert, jedoch haben sie auf die afroamerikanische Bevölkerung einen großen und nachhaltigen Einfluß ausgeübt. Einige beliebte Lieder aus dieser Zeit gehören noch heute zum Liedgut schwarzer Kirchen.

Um 1850 findet sich in einem Reisebericht der erste Hinweis auf schwarze Quartette. Es fehlen jedoch Informationen, ob es sich um reine Männergruppen handelte und auch die Anzahl von vier Sängern ist nicht verbürgt. Somit ist der Quartettgesang neben dem "congregational singing" die älteste Form religiöser afroamerikanischer Musik in Nordamerika. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bereits um 1830 schweizer und österreichische Sängergruppen die Staaten bereisten und mit ihren Viererharmonien möglicherweise Einfluss auf den Quartettgesang nahmen. Namentlich bekannt sind die Rainers oder Tyrolese Mistrels, die zwischen 1839 - 1843 reisten und deren Gesang sich großer Beliebtheit erfreute (David K. Bradford).

Die sogenannte "Underground Railroad" bezeichnet die Fluchtwege der Schwarzen aus den Südstaaten in den Norden. Hier wurden Texte von Spirituals verwendet, um geheime Botschaften zu übermitteln. Es ist unwahrscheinlich, daß diese Lieder zur Übermittlung von Botschaften entstanden, vielmehr dürften bereits vorhandene Songs dazu verwendet worden sein.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges entstanden die ersten schwarzen Universitäten, so auch die Fisk University in Nashville, Tennessee. Da diese Universitäten dringend Geld benötigten, kam die Fisk University auf die Idee, einen Chor zu gründen und auf Tournee durch die amerikanischen Staaten zu schicken. Zur gleichen Zeit gab es auch an diesen Universitäten Quartette, die jedoch nicht "auf Reisen" gingen. Die Fisk Jubilee Singers kamen auch nach Europa und sangen vor Queen Victoria und dem deutschen Kaiser. Die gesangliche Orientierung der Fisk Jubilee Singers war am weißen Gesangsideal orientiert und weit entfernt von den sonntäglichen Gesängen der schwarzen Bevölkerung in den "wooden churches" des Südens. Aus der Spiritualvortragsweise der Fisk Jubilee Singers entstand die Tradition der Konzertspirituals, die ähnlich wie "Lieder" dem Publikum dargeboten werden.

Die ersten religiösen Tonaufnahmen waren Quartettaufnahmen vom Unique Quartette und wurden im Herbst 1893 in New York aufgenommen. Ob diese Zylinderaufnahmen nur katalogisiert oder auch veröffentlicht oder gar wiederveröffentlicht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings lassen die Titel "Camp Ground Jubilee", "Big Bell Ringing In Zion" und "Peter, Go Ring Dem Bells" auf "Gospels" schließen. Die Zylinderaufnahmen des Standard Quartette von 1894 weisen die Titel "Swing Low, Sweet Chariot" und "Steal Away To Jesus" aus. Aus dem gleichen Jahr stammen von den Kentucky Jubilee Singers "Roll, Jordan Roll" und "Blow, Gabriel, Blow".

Die ersten schwarzen Gospelaufnahmen, die wiederveröffentlicht wurden und damit allgemein zugänglich sind, stammen vom Dinwiddie Colored Quartet und wurden am 29. und 31. Oktober 1902 aufgenommen. Produziert wurden sie für den weißen Markt, da Schwarze nicht das Geld besaßen, sich Schallplatten kaufen zu können. Auch die Bezeichnung "Colored" verweist auf ihre Herkunft und sollte den Käufer darüber informieren, dass die Interpreten Schwarze waren. Auch hier sind es wiederum Quartettaufnahmen, die als erste auf Schallplatten gepreßt wurden. 1909 nahmen Polk Miller and his Old South Quartette weitere Aufnahmen auf. Nachdem viele Schwarze in die Industriestädte des Nordens zogen und dort Arbeit fanden, hatten sie auch genügend Geld, um sich Schallplatten kaufen zu können. Speziell für diesen Käuferkreis wurden nun Platten produziert, die der weißen Bevölkerung meist nicht bekannt waren. Diese Aufnahmen bezeichnet man als Race Records. Auf solchen Race Records wurden Blues- und auch Gospelaufnahmen gepreßt und sie gehören zu den wichtigen ersten Tondokumenten schwarzer Musik, die auch überregional vertrieben wurden.

Auch die industrialisierten Zentren des Südens zogen schwarze Arbeiter an und hier muß besonders Jefferson County in Alabama erwähnt werden. In Bessemer, Ala. gab es Stahlwerke und mit dem Zuzug Schwarzer brachten diese auch ihre religiöse Musik aus anderen Landesteilen mit. Die Quartettmusik hatte sich zu einem wesentlichen Bestandteil der afroamerikanischen religiösen Musik entwickelt und in Jefferson County gab es eine beträchtliche Anzahl von Quartetten. Charles Bridges begann hier in den 20er Jahren Quartettgesang zu lehren. Zwar hatte Bridges keine musikalische Ausbildung, jedoch Gesangsunterricht genossen. Sein Ziel war es, den alten ländlichen Jubileestil, besser "country style" genannt, durch mehr gefühlsmäßige Erregung während des Singens, Atemkontrolle, reichhaltigere Klangstrukturen und größeren Spielraum der Stimmen zu erneuern. Er führte Synkopen und schnellere "Up-Tempo"-Arrangements ein sowie einen lebhaften Bassgesang. Er schulte die Sänger und da er mit den Birmingham Jubilee Singers Schallplatten aufnahm, konnte er diese neue Interpretationsweise weiter verbreiten und Maßstäbe setzen. Bridges verstand es, seine Zuhörerschaft in Erregung zu versetzen und sein Leadgesang war vorbildlich. Charles Bridges Einfluß auf die Entwicklung des Quartettgesanges und der Gospelmusik waren somit wesentlich und entscheidend. Leider scheint dieser Beitrag in der Entstehungsgeschichte der Gospelmusik inzwischen weitgehend vergessen worden zu sein.

Aus den 20er Jahren gibt es viele Aufnahmen schwarzer Quartette. Diese Formationen verwendeten die Bezeichnung "Jubilee" oder "Sanctified" um auszudrücken, dass es sich bei ihren Darbietungen um religiöse Musik handelte. Weitere wichtige Quartette dieser Epoche waren das Silver Leaf Quartet, die Utica Institute Jubilee Singers, das Norfolk Jubilee Quartet, Bryant's Jubilee Quartet, das Cotton Belt Quartet, die Bessemer Sunset Four, die Dunham Jubilee Singers u.a..

Zu den ersten Frauengruppen dürften die Virginia Female Singers sowie Mother McCollum und ihre Sanctified Singers gehören, die Virginia Female Singers wurden bereits 1921 aufgenommen, Mother McCullum 1930. Die letzgenannte Gruppe weist durchaus bereits Parallelen zu den Angelic Gospel Singers aus den späten 40er Jahren auf. Offenbar wurden jedoch keine Aufnahmen aus Gottesdiensten in Kirchen auf Schallplatten gepresst, vielleicht weil diese Musik zu gewöhnlich war und somit Käuferkreise nicht angesprochen hätte.

Eine der ersten "Choir"-Aufnahmen, der "Memphis Flu" von Elder Curry und seiner COGIC-Congregation stammt von 1930.

Die erste bedeutende Gospelsängerin war Arizona Dranes und ihre Aufnahmen stammen aus den Jahren 1926 - 1928. Eine weitere bekannte Sängerin war Jessie May Hill, deren Aufnahmen von 1927 datieren. Erwähnt werden muss ferner Bessie Johnson, die in den Jahren 1928 und 1929 aufnahm. Zu den "nation wide" bekannten Quartetten gehörte das oben erwähnte Norfolk Jubilee Quartet, dessen Aufnahmen aus den 20er Jahren weite Verbreitung und Interesse fanden und deren Leadsänger Norman "Crip" Harris als einer der ersten großen "leads" und "Gospelstars" bezeichnet werden muß.

Die 1920er und 1930er Jahre sind ferner durch "street gospel singers" oder "guitar evangelists" gekennzeichnet, jene oft blinde Straßenmusiker, die zwar stilistisch Country Blues spielten, dennoch aber nur religiöse Texte sangen. Innerhalb der ländlichen Gospelmusik des Südens gibt es die Tradition blinder Straßensänger heute so gut wie nicht mehr, in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts waren einige Sänger jedoch berühmte und anerkannte Größen: Edward Clayborn, dessen Aufnahmen 1927 und 1928 entstanden oder, der berühmteste von allen, Blind Willie Johnson, dessen Aufnahmen ebenfalls aus dieser Zeit stammen. Weitere bedeutende Streetgospelsänger waren Washington Philips, Blind Willie McTell, Blind Joe Taggart, Rev. Pearly Brown und Rev. Blind Gary Davis; die meisten dieser Sänger waren Blinde. Da sie als Gitarrenevangelisten ausschließlich religiöse Lieder sangen (Ausnahmen: Gary Davis und Willie McTell) unterscheiden sie sich von jenen Bluessängern, die überwiegend weltliche Musik aufnahmen und nebenbei auch wenige religiöse Songs, wie Mississippi Fred McDowell, Bukka White, Skip James, Son House, Lighnin' Hopkins, Mississippi John Hurt und Sonny Terry & Brownie McGhee. Parallelen lassen sich hingegen zu Sister Rosetta Tharpe ziehen, die sich zunächst auf ihrer akustischen Gitarre begleitete und später, als erste, eine elektrische Gitarre in der Gospelmusik verwendete. Auch an Roebuck "Pops" Staples soll erinnert werden, dessen "down home" Mississippi-Bluesgitarrenspiel die Aufnahmen der Staple Singers bestimmte.

Zu den Familiengruppen, deren Interpretationsstil bereits auf wesentlich spätere Aufnahmen, etwa der oben erwähnten Staple Singers hinweist, gehört Eddie Head & Family, ebenfalls 1930 aufgenommen. Auch erste Sermons erscheinen in dieser Zeit auf Schallplatten, nämlich von Rev. J.M. Gates, Rev. J.C. Burnett, Rev. A.W. Nix, Rev. F.W. McGhee, Rev. D.C. Rice, Elder Charles Beck u.a.. Sie entstanden ebenfalls vor 1930.

Charles A. Tindley ("the boy with the bare foot who could read the Bible") ist einer der frühen Komponisten der Gospelmusik, der Bücher veröffentlichte. Er wurde laut Broughton 1856 (Doering: ca. 1851) in Maryland geboren und verstarb 1933. 1875 lebte er in Philadelphia und studierte dort Hebräisch, Griechisch und Latein, um sich auf seine Laufbahn als Geistlicher vorzubereiten, die er 1885 (Doering: 1902 ?) begann. Er gründete 1924 die Tindley Temple Methodist Church in seiner Geburtsstadt Berlin / Maryland. Dort organisierte er Hilfen für Arme und förderte die Ausbildung Jugendlicher. Es waren damals immer wieder die schwarzen Kirchen, die sich für ihre Mitbürger einsetzten. Tindley inspirierte Thomas A. Dorsey als Komponist, nahm aber selbst nie Schallplattenaufnahmen auf. Tindley veröffentlichte Bücher mit seinen Kompositionen (1905, 1916 und 1932, die Angaben sind widerspüchlich), die schnell erfolgreich wurden. Diese Lieder entnahm er einerseits aus Passagen der Bibel, andererseits sind sie in Alltagsprache verfasst. Seine bekanntesten Songs sind: "The Storm Is Passing Over", "Take Your Burdens To The Lord", "We'll Understand It Better By And By", "Stand By Me", "The Day Is Passed And Gone", "City Called Heaven", "What Are They Doing In Heaven" und "Beams Of Heaven". Auch der Refrain der Bürgerrechtshymne "We Shall Overcome" entstammt einem Tindley-Song.

Der berühmte Konzertspiritualinterpret Paul Robeson hatte 1925 sein erstes Konzert gegeben und war bereits 1929 nach London verzogen.

Einige der wichtigsten und erfolgreichsten Quartette aus Gospel's Golden Age, also den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, wurden bereits in den zwanziger Jahren gegründet: Die Fairfield Four 1921, die Selah Jubilee Singers 1926, die Harmonizing Four 1927, die Heavenly Gospel Singers 1927, die Dixie Hummingbirds 1928, die Kings of Harmony (Alabama) 1929, die Soul Stirrers 1929 und auch bereits Ende der 20er Jahre, das Spirit of Memphis Quartet.

Dies alles geschah bevor Thomas A. Dorsey weiteren und entscheidenden Einfluß auf die afroamerikanische religiöse Musik nahm.

Urheberrecht / Copyright by Bernd Grimmel, c 2005, 2010

 

- Die Zeit nach Dorsey bis zum "Golden Age of Gospel " -

Als Dorsey in Chicago wirkte, fand er bereits große aktive schwarze Kirchengemeinden vor, die von den Imigranten aus dem Süden seit der Jahrhundertwende gegründet worden waren. Es gab Chöre, Kirchenmusiker und auch kleine Ensembles und die Stadt zog nach wie vor die Zuwanderer aus den Südstaaten an. Chicago besaß auch eine aktive Quartettszene und Aufnahmestudios für schwarze Musiker und Sänger. Thomas Dorsey war bereits zuvor ein geschätzter und bekannter Bluespianist und Begleiter von Bluesängern und -sängerinnen. So brachte er sowohl seine Art Klavier zu spielen in die Gospelmusik ein als auch Gesangseinflüsse des klassischen Blues und dessen Sängerinnen. 

Neben Chicago müssen auch andere große Metropolen erwähnt werden: Detroit, Philadelphia, Newark, St. Louis, Memphis und Los Angeles. Kalifornien war ein bevorzugtes Einwanderungsland Schwarzer aus Texas.

Insgesamt beginnt in den dreißiger Jahren eine Epoche in der Geschichte der Gospelmusik, die unübersichtlich wird und durch die Verbreitung der Tonträger und Gründung neuer Ensembles schwierig dazustellen ist. Sallie Martin hatte bereits 1932 ihre Singers formiert und gründete mit Kenneth Morris einen Verlag, der Noten und Texte von Gospelsongs in den gesamten Staaten der Union vertrieb. In St. Louis war Willie Mae Ford Smith mit ihrer Gruppe aktiv und in Philadelphia hatte Gertrude Ward mit ihren Töchtern 1934 die Ward Singers gegründet. Eine weitere, über die Grenzen Chicagos berühmt gewordene Gruppe waren die Roberta Martin Singers. Mahalia Jackson hatte ihre ersten Aufnahmen 1937 in Chicago eingespielt, blieb aber zunächst weitgehend unbekannt. Am 23. Dezember 1938 fand in der New Yorker Carnegie Hall das von John Hammond organisierte "From Spiritual To Swing"-Konzert statt, in dem auch die damaligen Gospelstars Sister Rosetta Tharpe, das Golden Gate Jubilee Quartet und die Mitchel's Christian Singers teilnahmen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt kann davon ausgegangen werden, dass sich schwarze Gospelmusik als generelle musikalische Richtung etabliert hatte und dies auch von weißen Produzenten zur Kenntnis genommen wurde.

Die Quartetszene änderte ihren Stil vom "country" hin zum "jubilee". Als Stil wird "jubilee" eher ruckartig gesungen, ist künstlerisch verfeinerter aber auch festgelegter. Die Leadsänger haben wenig Improvisationsmöglichkeiten und eine individuelle Ausgestaltung war kaum möglich. Der neue Stil wird am besten vom 1934 gegründeten Golden Gate Quartet dokumentiert aber auch viele andere Quartette folgten dieser Richtung. Das Golden Gate Quartet hatte die stilistischen Elemente von einer weltlichen Gruppe, den Mills Brothers, übernommen. An bedeutenden Quartetten dieser Zeitspanne müssen die Folgenden erwähnt werden: Die Selah Gospel Singers, 1931 zum ersten Mal aufgenommen, die Golden Eagle Gospel Singers, 1937 aufgenommen, die Alphabetical Four mit ersten Aufnahmen von 1938, die Jubalaires, die Reliable Gospel Singers usw.. Andere bedeutende Quartette lösten sich in dieser Zeit auf, etwa die Birmingham Jubilee Singers und die Norfolks. Bill Landford verließ 1940 das Golden Gate Quartet und gründete die Southern Sons, die 1943 aufnahmen.

Bedeutende Quartette, die in Gospel's Golden Age weisen und dort berühmt wurden, datieren ihre Gründung in diese Epoche. Die Five Blind Boys of Mississippi wurden als Jackson Harmoneers 1932 gegründet, die Five Blind Boys of Alabama als Happyland Singers 1937 und die Flying Clouds of Detroit 1937. Auch Mitchel's Christian Singers sind eine Gründung der frühen dreißiger Jahre und traten beim Carnegiekonzert auf obwohl sie weiterhin dem alten Stil verhaftet geblieben waren. Die Paramount Singers geben als Gründungsjahr 1937 an, die Pilgrim Travelers 1936, das Swanee Quintet 1940, die Swan Silvertones 1938 und die Zion Harmonizers 1939.

Besondere Erwähnung verdienen die Heavenly Gospel Singers. Dieses Quartett, 1927 gegründet, nahm zwischen 1935 bis 1941 eine stattliche Anzahl ausgezeichnet arrangierter Songs auf und weist stilistisch deutlich in den Quartettgesang der großen "quartets" aus Gospel's Golden Age. Die Heavenlys waren schlicht ihrer Zeit voraus. Ihr Tenor Jimmy Bryant war berühmt und es war William Bobo, der spätere Basssänger der Dixie Hummingbirds, der ihn ab 1939 ersetzte.

Bei den Frauengruppen geben, neben den bereits oben erwähnten Sallie Martin Singers und Ward Singers, die Southern Harps 1934 und die Angelic Gospel Singers 1942 bzw. 1944 als Gründungsjahr an.

Es waren großen Diven, die neben den Quartetten den Gospelgesang dominierten: Mary Johnson Davis hatte bereits in den dreißiger Jahren Tourneen durchgeführt und auf der National Convention gesungen. Sister Rosetta Tharpe war die bekannteste von allen und begann 1938 aufzunehmen. Sie begleitete sich selbst auf der Gitarre, so wie es die Streetgospelsänger auch taten. Rosetta Tharpes Stimme war ungemein "jazzig" und in dieser Zeit der großen Swingorchester wurde sie sowohl von Cab Calloway als auch Lucky Millinder begleitet. Tharpes Bedeutung reicht bis in Gospel's Golden Age und sie dürfte neben Mahalia Jackson die bekannteste Gospelsängerin sein. Wie bereits erwähnt, war Willie Mae Ford Smith in St. Louis aktiv. Ihr Vater hatte 1922 ein Familienquartett gegründet. Eine weitere bedeutende Sängerin war Georgia Peach, die 1942 zum ersten Mal in einem Tonstudio stand. Neben Rosetta Tharpe muss Madam Ernestine Washington erwähnt werden, die vor allem Rückhalt in den schwazen Kirchen hatte und als "Königin" des Gospelgesangs galt, bevor Mahalia Jackson ihre ersten Apolloaufnahmen 1946 einspielte. Madam Washington nahm 1943 zum erstenmal auf und war bis in die fünfziger Jahre aktiv.

In Chicago waren die Roberta Martin Singers beheimatet und beeinflussten die Szene der Stadt nachhaltig. Erste Schallplatten dieser Gruppe kamen allerdings erst 1947 auf den Markt. Robert Anderson war einer ihrer beliebtesten Sänger und er verließ die Gruppe bereits vor deren ersten Aufnahmen, um selbst in Chicago aktiv zu werden und junge Interpreten zu unterstützen. Solisten im Gospelgesang scheinen in den dreißiger und vierziger Jahren kaum von sich reden gemacht zu haben, wenn man von Reverend Utah Smith absieht, dessen "Two Wings" bereits 1944 zum erstenmal aufgenommen worden war, allerdings waren einige Leadsänger berühmt. Rebert H. Harris kam 1937 zu den Soul Stirrers und verblieb dort bis 1951. Er gilt als der Vater des modernen Leadgesanges und beeinflusste die Generation, die nach ihm kam wesentlich. Die Soul Stirrers selbst waren 1936 von Alan Lomax für die Library of Congress aufgenommen worden. Walter Lattimore war ein weiterer bedeutender Leadsänger der Kings of Harmony und auch Termon Ruth von den Selah Jubilee Singers und Silas Steele, der 1931 Mitglied der Famous Blue Jay Singers geworden war, müssen erwähnt werden. Die Selahs waren mit Charles Bridge, dem "Quaratettlehrer" aus dem Jefferson County in Alabama bis in die frühen vierziger Jahre aktiv.

Die Zeit der Streetgospelsänger bzw. Gitarrenevangelisten neigte sich dem Ende zu und es war Josh White, ein Blues-, Folk- und Gospelsänger, der diese Tradition erfolgreich aufrecht erhielt und 1933 zum ersten Mal in einem Studio aufnahm.

Von den Chören war der Wings Over Jordan ausgesprochen populär und nahm ab 1943 auf. Dieser Chor dürfte damit alle weiteren nachfolgenden Chöre beeinflusst haben.

Natürlich blieb Thomas Dorsey weiterhin aktiv, war eine angesehene Autorität und komponierte. Viele seiner Standards wurden in dieser Epoche und auch später von den verschiedensten Interpreten aufgenommen. Dorseys bekanntester Konkurent, Reverend William Herbert Brewster war in Memphis zuhause und seine Kompositionen waren moderner und rhythmischer. Die Ward Singers übernahmen sie und machten Brewster bekannt. Umgekehrt war es W. H. Brewster, der den Ward Singers zu großer Popularität verhalf.

Urheberrecht / Copyright by Bernd Grimmel, c 2006

 

- Golden Age of Gospel -

Im engeren Sinne wird die Zeit zwischen 1950 und 1960 als "Gospel's Golden Age" bezeichnet. Abweichend davon beziehe ich in meinen Ausführungen auch die späten vierziger Jahre bis zu den frühen sechziger Jahren mit ein. In dieser Zeit entwickelte sich die Gospelmusik zu jener Form religiöser afroamerikanischer Musik, die heute als "traditional" bezeichnet wird. Gospel gelangte in dieser Epoche zu großer Popularität und die Interpreten wurden auch von einem weißen Publikum weltweit wahrgenommen. Gospelmusik wurde zu einer eigenständigen musikalischen Form und beeinflusste ihrerseits die populäre Musik. Dies ist heute genau umgekehrt, d.h. es ist zwischenzeitlich die zeitgenössische "contemporary" Gospelmusik, die sich des R&B, Hip Hop und anderer weltlichen musikalischen Einflüsse bedient.

Der Quartettstil entwickelte sich Ende der vierziger Jahre weiter und löste den eher formalen Jubileestil ab. Die Musik wurde emotionaler und es gab keine Grenzen im Ausdruck religiöser Gefühle und Botschaften. Es war sowohl die große Zeit der Quartette als auch weiblicher und männlicher Solisten, Frauengruppen, gemischter Ensembles und mitgliederstarker Chöre. Während die Solistinnen der vorherigen Generation bereits eine Begleitung durch Piano und / oder Orgel bevorzugt hatten, war dies im Quartettgesang unüblich geblieben. Nach wie vor sangen die beliebtesten Quartette a-cappella. Dies änderte sich grundlegend um 1950. Zunächst fügten die bekanntesten Quartette zaghaft Schlagzeug und Gitarre hinzu und erweiterten dann ihre musikalische Begleitung durch Piano, Orgel und Bass. Der Backgroundgesang verfeinerte sich zu bislang ungewohnten Harmonien und die Leadsänger spielten mit ihren Stimmen und den Reaktionen des Publikums. Das Publikum tolerierte, was vorher unmöglich gewesen war.

Gospel's Golden Age ist durch die ausführliche Diskographie von Hayes & Laughton vollständig erfasst und somit gut dokumentiert. Auch Anthony Heilbuts Buch "The Gospel Sound" beschreibt diese Epoche und ihre Interpreten ausführlich und bildhaft. Heilbut lässt in seine Schilderungen viele amüsante Anekdoten einfließen und bringt jene Zeit damit dem Leser nahe.

Olaf Digel hat mich aufmerksam gemacht, dass 1948 die unzerbrechliche Vinyl-Schallplatte erfunden wurde. Dies ermöglichte einfachere Vertriebswege und Zusammenfassungen auf Langspielplatten. Der Aufschwung an Musikaufnahmen nahm entsprechend rapide zu und dies gilt auch für die Gospelmusik.

Eine Würdigung aller bedeutenden Gruppen und Interpreten würde den Rahmen meiner Ausführungen sprengen und ich versuche mich, auf die bekanntesten und wichtigsten zu beschränken.

Von den großen Sängerinnen dieser Epoche muss zuerst Mahalia Jackson (1911 - 1972) erwähnt werden. Zweifellos ist sie die bekannteste Gospelinterpretin überhaupt. Nachdem ihre ersten Aufnahmen Ende der dreißiger Jahre unbeachtet blieben, trat sie fast zehn Jahre nicht in Erscheinung. Sie selbst war beeinflusst von zwei weiteren Sängerinnen, Willie Mae Ford Smith und Mary Johnson Davis. !946 unterzeichnete sie einen Vertrag mit dem weitgehend unbekannten Apollo-Label und wurde schnell zu einem Star innerhalb der schwarzen Zuhörerschaft. Ihre Interpretation des Brewster-Songs "Move On Up A Little Higher" wurde ein Hit und machte sie bekannt. Bereits auf den ersten Aufnahmen wird sie von der Pianistin Mildred Falls begleitet. Später kam der Organist Ralph Jones hinzu und 1954 wechselte Mahalia Jackson zum Columbia-Label. CBS vermarktete sie als "The World Greatest Gospel Singer" und der Wechsel zahlte sich für sie aus. Ihr schwarzes Publikum hatte sie zwar weitgehend verloren aber nun wurde sie international bekannt. Mahalia Jackson hat afroamerikanische Gospelmusik weltweit bekannt gemacht.

Einige bedeutende Sängerinnen aus der Zeit vor Gospel's Golden Age waren in dieser Periode nach wie vor aktiv und müssen deshalb erwähnt werden. Die neben Mahalia Jackson bekannteste Sängerin war Rosetta Tharpe (1915 - 1973), deren Zuhörerschaft allerdings eher ausserhalb der schwarzen Kirchen zu finden war. Ihre Duette mit der Sängerin Marie Knight (1925 - 2009) gehören zu den interessantesten und hörenswertesten Duetten im Gospelgesang überhaupt und sind klassisch. Marie Knight nahm gleichzeitig Soloalben auf, gehört also auch zu den Größen dieser Epoche. Beide, Tharpe und Knight ließen sich von Sam Price begleiten. Price war Hauspianist von Decca und sein Spiel harmoniert eindrucksvoll mit den Aufnahmen von Rosetta Tharpe.

Aktiv blieben weitere Sängerinnen, deren Anfänge ein Jahrzehnt früher einzuordnen sind und von denen an vorderster Stelle Ernestine Washington (1921 - 1984) erwähnt werden muss. Weitere Sängerinnen dieses Zeitraumes sind Queen C. Anderson (1913 - 1959), die Solistin aus Reverend Brewsters Kirche in Memphis, Mary Johnson Davis (1899 - 1982), Willie Mae Ford Smith (1904 - 1994), deren erste Aufnahmen von 1950 datieren sowie Georgia Peach (1903 - 1966), die bereits vor Gospel's Golden Age aufnahm und deren letzte Einspielungen von 1960 stammen. Eine weitere wichtige Sängerin war Goldia Haynes (1919 - 1973), die zwar 1950 nur wenige Aufnahmen einspielte, dafür aber mit einem rockenden, ungewöhnlichen Pianospiel brillierte.

Der Star des Specialty-Labels war Wynona Carr (1924 - 1976), deren jazzige Stimme ihrer Zeit voraus war und die ab 1949 aufgenahm und bald mit "Ball Game" einen Hit landete. Martha Bass (1921 - 1998), eine Sängerin aus St. Louis wurde von Willie Mae Ford Smith trainiert, war kurze Zeit Mitglied der Ward Singers, interpretierte jedoch eigenständig und muss ebenfalls dieser Zeitspanne zugeordenet werden. Auch Victoria Hawkins (+ 2011), aus Detroit, nahm bereits 1950 und dann erst 1962 wieder auf.

Zu den ganz großen und bedeutenden Sängerinnen aus Gospel's Golden Age gehören Madam Edna Gallmon Cooke (1917/18 - 1967) deren Bewunderung in den schwarzen Kirchen auch vierzig Jahre nach ihrem Tod ungebrochen ist und Bessie Griffin (1922 - 1989), die 1948 ihre ersten Soloaufnahmen machte und in ihren jüngeren Jahren über eine ungewöhnlich kräftige, ausdrucksstarke Stimme verfügte.

Zu den wichtigsten männlichen Solisten des Golden Age of Gospel, neben den berühmten Leadsängern der Quartette, zählen Brother Joe May, Reverend Cleophus Robinson, Professor Alex Bradford und Robert Anderson.

 

Brother Joe May (1915 - 1972), der "Thunderbolt of the Middle West", war ein Schüler Willie May Ford Smiths und in St. Louis zuhause. Mays stimmliche und improvisatorische Möglichkeiten zeichnen ihn als einen der bedeutendsten Gospelsänger des vergangenen Jahrhunderts aus. Mays erste Schallplattenaufnahmen datieren von 1949 und er war einer der Stars des Specialty-Labels. Ähnlich Mays Stimme klingt Cleophus Robinson (1932 - 1998), ebenfalls ein Schüler Ford Smiths und auch seit 1957 in St. Louis beheimatet. Seine ersten Schallplattenaufnahmen stammen auch von 1949. Alex Bradford (1927 - 1978) kam 1951 zu Apollo und hat 1953 mit "Too Close" einen der bekanntesten Songs der fünfziger Jahre geschrieben. Bradford war in den frühen sechziger Jahren mit Langston Hughes Singspiel "Black Nativity" auf Welttournee. Robert Anderson (1919 - 1995), eines der Idole Mahalia Jacksons, begann als Solist der Roberta Martin Singers, verließ diese frühzeitig und unterstützte Chicagos junge Gospelsängergeneration. Anderson trainierte u.a. Sam Cooke, Johnny Taylor und Lou Rawls.

 

Weitere wichtige Solisten waren Robert Bradley (1920 - 2007), der 1949 aufgenommen wurde und R.L. Knowles ((1915 - 1971) eine weitere Persönlichkeit aus Chicago.

 

Auch James Cleveland (1931 -1991) war ein "Schützling" Robert Andersons und trat bereits 1950 mit den Martin-Singers-Mitgliedern Bessie Folk und Norsalus McKissick als Gospelaires auf. Seine ersten Choraufnahmen mit den Voices of Tabernacle stammen von 1959 und 1963 landete er mit "Peace Be Still", dem neben Edwins Hawkins "Oh Happy Day" bekanntesten und bestverkauften Hit der sechziger Jahre, einen ersten großen, viel beachteten Erfolg.

 

Erwähnt werden sollen ferner Professor Herold Boogs (1928 - 2000), den wichtigsten Solisten des Nashboro-Labels der fünfziger Jahre, der auf Nashboro 1955 zum erstenmal aufnahm und Professor Charles Taylor (1929 - 2003), der in Philadelphia wirkte und 1954 seine erste Aufnahmesession hatte.

 

Detroits Gospelstar war der Vater von Aretha Franklin, Reverend C.L. Franklin (1915 - 1984), der jedoch weniger als Sängers sondern durch seine vielen Sermon-Aufnahmen bekannt wurde und in Chicago wirkte ferner noch Reverend Robert Ballinger (1921 - 1965), ein ausdrucksstarker, ungewöhnlicher Pianist, dessen erste Aufnahmen 1955 entstanden und der 1962 zu Peacock wechselte.

 

Von den bedeutenden Frauengruppen, die dieser Zeitspanne zugeordnet werden, sind New Orleans Southern Harps, 1934 gegründet, eine jener Gruppen, die 1947 als erste Schallplatten veröffentlichten. Aus der Gruppe ging Bessie Griffin hervor und auch die Jazzsängerin Linda Hopkins war einst Mitglied. Auch die bereits erwähnten Sallie Martin Singers, 1940 gegründet, nahmen 1947 zum ersten Mal auf.

 

1949 war das Jahr, in dem gleichzeitig mehrere der großen Frauengruppen in den Studios zu ersten Sessions weilten: Die Gospel Harmonettes, die Angelic Gospel Singers und die Ward Singers.

 

Die Angelic Gospel Singers stammen aus Philadelphia, der Hochburg der Frauengruppen aus Gospel's Golden Age und Leadsängerin Margret "Babe" Allison führt in hohem Alter diese Gruppe heute noch. Mit "Touch Me Lord Jesus" hatten die Angelics bereits 1949 einen Hit, der sich mehr als 100 000 mal verkaufen ließ.

 

Auch die Ward Singers kommen aus Philadelphia und wurden von Mother Gertrude Ward 1934 gegründet. Neben Mother Ward waren es ihre Töchter Willa und besonders Clara, die erwähnt werden müssen. Clara Ward gehört zu den Gospelgrößen dieser Epoche und die Ward Singers haben mit der Interpretation von Brewster-Songs ihren legendären Ruf erworben. Die Wards fiel 1958 auseinander und Claras nachfolgenden Gruppierungen konnten an den Ruf der "alten" Singers nicht mehr anknüpfen. Sie wurden in ihrer Vortragsweise sehr kommerziell, traten in Nachtclubs auf und biederten sich einem weißen Publikum an. Aus den alten Ward-Gruppenmitgliedern, ausgenommen Willa Ward, die nicht mehr aktiv wurde, entstanden mit Marion Williams, Frances Steadman, Kitty Parham, Henrietta Waddy und Esther Ford die Stars of Faith, ebenfalls in Philadelphia beheimatet. Die Stars of Faith tourten mit Black Nativity und traten häufig in Europa auf. Ihre gesanglichen Möglichkeiten blieben letztlich hinter deren als "alte" Ward Singers zurück und Marion Williams verließ die Gruppe, um eine erfogleiche Solokarriere zu starten.

 

Eine weitere wichtige Philadelphia-Frauengruppe waren die Davis Sisters mit ihrer Leadsängerin Ruth "Baby Sis'" Davis und ihrem unvergessenen Pianisten Curtis Dublin. Die Davis Sisters nahmen zuerst 1951 auf und mussten sich nach dem Tod von Dublin, Ruth und anderen Mitgliedern bereits Ende der 60er Jahre auflösen. Sie sind nach wie vor unvergessen und genießen immer noch eine außergewöhnlich anhaltende Popularität.

 

Um die Liste großer Frauengruppen dieser Stadt zu vervollständigen bedarf es noch der Erwähnung der Imperial Gospel Singers und ihrer Sängerinen Anna Smalwood und Rosie Wallace, die ab 1955 aufnahmen.

 

Die bedeutendste Frauengruppe der Südstaaten kam aus Birmingham, Alabama. Dieser Gruppe schloss sich bald nach ihrer Gründung Dorothy Love Coates an, die schnell zum wichtigsten Ensemblemitglied wurde. Love Coates war eine eifrige Songschreiberin und führte die Gruppe bis zu deren Auflösung.

 

Eine weitere in den Südstaaten beheimatete Gruppe waren die Songbirds of the South, deren Mitglied Cassietta George später zu Chicagos Caravans wechselte und dort eine Karriere als Leadsängerin began. Die Songbirds standen 1952 zum ersten Mal in Studio.

 

Detroits bedeutendstes Frauenensemble waren die Meditation Singers. Diese Gruppe veröffentlichte 1954 erste Aufnahmen und Ernestine Rundless führte sie an. Della Reese war seinerzeit ein weiteres Gruppenmitglied.

 

Chicagos Antwort auf Philadelphia sind die Caravans gewesen. Albertina Walker hat sie 1952 gegründet und Aufnahmen erfolgten noch im selben Jahr. Aus dieser Gruppe kommen einige der bedeutenden Solisten der Gospelmusik: Albertina Walker, Inez Andrews, Dorothy Norwood, Shirley Caesar und Delores Washington sowie die Sängerinnen Cassietta George, Gloria Griffin und Imogine Greene.Weitere bekannte Chicago-Gruppen aus Gospel's Golden Age sind die Argo Singers mit ihrer Leadsängerin Lorenza Brown Porter, 1951 aufgenommen und die Gay Sisters, die bereits ein Jahr zuvor im Studio standen.

 

Die Liste der bekanntesten Frauengruppen wäre unvollständig ohne Erwähnung der Drinkard Singers aus Newark, New Jersey, 1938 gegründet, deren Auftritt auf dem Newport Jazz Festival 1957 unvergessen bleibt und deren Pianist Larry Drinkard mit rhythmischem rollenden Spiel brillierte.

 

Gospel's Golden Age war die Zeit der Quartette. Der Quartettgesang erreichte eine hohe Kunstfertigkeit, kombiniert mit extrem emotionalem Vortragsstil. Die Quartette waren die "house wreckers" und prägten ihrerseits die Entwicklung im Rhythm & Blues und in der kommerziellen Musik. Die Quartettmusik hatte ein eigenständiges, ausgefeiltes Niveau erreicht, sowohl im Lead- als auch im Backgroundgesang. Jedes Label hatte mehrere große Männergruppen unter Vertrag und diese veröffentlichten oft mehrere Schallplatten innerhalb eines Jahres. Viele Aufnahmen wurden wiederveröffentlicht und so ist es leicht möglich, sich heute einen guten Überblick über die einzelnen Gruppen und ihre individuellen Vortragsweisen zu verschaffen. Im Gegensatz zu vielen modernen Quartetten vermittelt das Hören der alten Ensembles den Eindruck, jedes Gruppenmitglied getrennt von den anderen wahrzunehmen und auch die Leadsänger brillierten durch persönliche Eigenständigkeit. Im Folgenden werden die wichtigste "quartets" aufgeführt, die für diese Epoche berühmt sind.

 

Zu den Quartetten, die bereits in den vierziger Jahren mit dem neuen Stil auf sich aufmerksam machten gehören die Harmonizing Four, die 1943 aufnahmen und deren Basssänger Jimmy Jones und Ellis Johnson zu den bedeutendsten im Gospel gehören.

 

Die ersten Aufnahmen der Kings of Harmony stammen von 1944 und sie brachten bis 1957 Schallplatten heraus. Ihr bedeutendster Leadsänger war Walter Lattimore, der bereits 1948 verstarb.

 

Die Fairfield Four standen 1946 zum ersten Mal im Studio und sie behielten ihren a-cappella Stil bis 1960 bei. Wichtige Mitglieder waren Sam McCrary, James Hill und Isaac "Dickie" Freeman. Aus der Gruppe ging eine weiteres großes Quartett hervor, die Skylarks, von Freeman und Hill gegründet und bereits 1951 aufgenommen.

 

Specialtys erfolgreichstes Quartett waren die Pilgrim Travelers, die 1946 aufgenommen wurden und deren Sänger Keith Barber und Kylo Turner sich den Leadgesang teilten. Am Ende von Gospel's Golden Age war es Lou Rawls, der die Leadparts der Gruppe übernommen hatte. Mit "Mother Bowed" hatten sie 1948 einen Hit.

 

Auch die ersten Einspielungen des Spirit of Memphis Quartet stammen aus den späten Vierzigern. Diese berühmte Gruppe vereinigte drei bedeuteden Leadsänger, Silas Steele, Willmer "Little Axe" Broadnax und Jethroe Bledsoe. Besonders Steele und Broadnax ergänzten sich im abwechselnden Leadgesang in aussergewöhnlicher Weise, Steele mit mächtiger, donnernden Stimme und "Little Axe" mit hohem, klagendem Tenor während Bledsoe mit beiden eindrucksvoll harmonierte.

 

Die Soul Stirrers waren bereits Ende der dreißiger Jahre von Alan Lomax aufgenommen worden, standen in den frühen Vierzigern erneut im Studio, aber erst ab 1945 nahmen sie regulär auf. Ihr erster bedeutender Leadsänger war Rebert H. Harris, der seinerseits wiederum den gesamten Leadgesang im Quartett beeinflusste. Harris verließ die Stirrers 1951 und Sam Cooke wurde sein erfolgreicher Nachfolger. Bis zu seinem Wechsel zum R&B war Cooke einer der meistgeschätzen Leads und brillierte mit einem schönen, spielerischen und leicht hartem Tenor. Mit Johnnie Taylor, Paul Foster, Jimmy Outler, Martin Jacox und Willie Rogers war die Gruppe am Ende dieser "goldenen" Zeit immer noch sehr erfolgreich. -

 

Harris und andere seiner alten Soul Stirrers-Kollegen traten als Christland Singers erfolgreich auf.

 

Eine weitere erfolgreiche Gruppe dieser Epoche, die Dixie Hummingbirds, stand 1944 zum ersten Mal im Studio und begann ab 1946 regelmäßig aufzunehmen. Der bedeutendste Leadsänger der Birds ist Ira Tucker, "second lead" James Walker kam 1954 hinzu und blieb Mitglied bis zu seinem Tod 1992. Ihr Gitarrist Howard Carroll gilt als einer der besten im Gospel.

 

Auch die beiden Blind Boys-Gruppen, die Five Blind Boys of Mississippi und die Five Blind Boys of Alabama gehören zu den Stars der Fünfzigern. Die Mississippis waren ebenfalls von Lomax 1937 für die Kongreß-Bibliothek aufgenommen worden und ihr bedeutendster Lead war der 1960 verstorbene Archie Brownlee. Die Gruppe war für ihre ekstatische, mitreißende und emotionale Auftritte berühmt und mit "Our Father" hatten sie 1950 einen Hit unter den ersten zehn der R&B-Charts. Die anderen Blind Boys waren die Alabamas mit ihrem Leadsänger Clarence Fountain. Sie nahmen 1948 zum ersten Mal auf und wechselten 1953 zu Specialty.

 

Die Swan Silvertones standen 1946 im Aufnahmestudio. Ihr Leadsänger Claude Jeter war der erste, der Falsetto sang und diese Kunstfertigkeit in den Quartettgesang einführte. Neben Jeter müssen Paul Owens und Louis Johnson Erwähnung finden, beides "hard leads" und beide Jeter unterstützend und ergänzend.

 

Die ersten Aufnahmen der Sensational Nightingales datieren von 1949 und ihr berühmtester Leadsänger Julius "June" Cheeks stand mit ihnen 1951 zum ersten Mal im Studio. Cheeks ist eine der großen "Figuren" des Golden Age of Gospel, "the baddest man on the "und beeinflusste viele Leads durch seine expressive Vortragsweise und sein imposantes Verhalten auf der Bühne. Auch Gitarrist Joseph "Jo Jo" Wallace gehört zu den bedeutenden Gitarristen im Quartett-Gospel.

 

Weitere wichtige Männergruppen waren die Bells of Joy, die 1951 mit "Let's Talk About Jesus" erfolgreich waren und die Chosen Gospel Singers, ab 1952 aufgenommen. Lou Rawls startete seine Karriere in dieser Gruppe und als sie sich auflösten, entstanden unter "Country Boy" Willie Neal Johnson die Gospel Keynotes.

 

Aus Detroit kamen die Flying Clouds of Detroit, die mit den Soul Stirrers und Dixie Hummingbirds erfolgreich wetteiferten.

 

Die Highway QC's sind eine Chicago-Gruppe und "lieferten" Nachwuchs für die Soul Stirrers. Sam Cooke und Johnnie Taylor waren Mitglieder der QC's. Spencer Taylor ist ihr langjähriges, wichtigstes Mitglied und mit "Somewhere To Lay My Head" hatten sie 1955 einen großen Erfolg.

 

1953 standen die Pilgrim Jubilee Singers, inzwischen umbenannt in Pilgrim Jubilees im Studio und die beiden Graham Brüder Clay und Cleve, sowie Major Roberson sind alte Veteranen aus der "goldenen Zeit". Die Trumpeteers, ein vertraglich unter Columbia/CBS stehendes Quartett brachten ihr berühmtes "Milky White Way" 1950 heraus und das Swanne Quintet mit seinem "funky down home rhythms" nahm 1951 zum ersten Mal und ab 1956 regelmäßig auf. Vorsänger Johnny Johnes ähnelte stimmlich Sam Cooke und Ruben Willingham war ein ausgezeichneter "hard lead".

 

Die Brooklyn All Stars sind eine weitere wichtige Gruppe mit Tendenzen zum Bass-Lead; Thomas Spann gehört zu den großen Basssängern im Gospel. Und auch die Radio Four verdienen mit ihren simplen, effektvollen Arrangements Erwähnung. Diese Gruppe, allesamt Babb-Brüder, nahmen ab 1952 auf und Morgan Babb dürfte der bekannteste der Geschwister sein.

 

Ab Mitte der fünfziger Jahre begann sich der Backgroundgesang im Quartett zu verändern. Mitbedingt durch Claude Jeters Falsettoleads begannen die Gruppen deutliche Tenorbetonungen in der Begleitung einzuführen. Neben anderen Gruppen waren hier die Sensational Nightingales bahnbrechend aber auch Alex Bradford nutzte diese Neuorientierung in seiner Begleitung. Falsettobackground begann sich sich nun im Quartettgesang durchzusetzen.

 

Erwähnt werden müssen vier wichtige Quartette, die Four Knights, die Mighty Clouds of Joy, die Violinaires und die Gospelaires.

 

Julius Cheeks hatte nach dem Verlassen der Nightingales die Four Knights gegründet und diese Gruppe setzte nun hohe Tenor-Harmonien in der Begleitung ein. Die Aufnahmen mit Cheeks und den Knights brillieren durch Falsetto und auch durch das Geschichtenerzählen von Rev. Cheeks, einem der größten Storyteller im Gospel.

 

Die Mighty Clouds of Joy nahmen 1958 zum ersten Mal auf und bestimmten nachfolgend die Quartettszene bis heute. Ihr Leadsänger Joe Ligon ist ein Bewunderer Cheeks und ähnelt als "hard lead" seinem Vorbild.

 

Die Violinaires waren in ihren Backgroundharmonien immer etwas höher und expressiver als die anderen Gruppen und ihre Leadsänger Isahia "Little Shot" Jones und Robert Blair verdienen Erwähnung. Ihre ersten Aufnahmen, ohne Blair, stammen aus der Mitte der fünfziger Jahre.

 

Die Gospelaires of Dayton, Ohio sind inzwischen zu einer Legende geworden und ihre Arrangements waren differenzierter und abwechslungsreicher als die anderer Quartette. Auch sie nahmen Ende der fünfziger Jahre zum ersten Mal auf. Unter den Mitglieder der Gruppe müssen Robert "Bob" Washington, Paul Arnold, Walter Lattimore und Charles McLean erwähnt werden.

 

Diese neue "Kunstfertigkeit" wurde bald von anderen Ensembles übernommen., allerdings in unterschiedlicher, geglückter oder auch weniger geglückter Weise.

 

Von den kleineren gemischten Ensembles müssen die Roberta Martin Singers erwähnt werden. Diese Chicago-Gruppe hat bis heute den Sound der Stadt maßgeblich beeinflusst. Die Martin Singers nahmen 1947 ihre erste Schallplatte auf und blieben während der fünfziger Jahre aktiv. Neben Roberta Martin sollen die Mitglieder Deloise Barrett Campbell, Norsalus McKissick, Eugene Smith, Willie Webb und Bessie Folk erwähnt werden, die zu den "Größen" Chicagos gehören.

 

Ebenfalls in Chicago zuhause waren die Staple Singers, eine Familiengruppe um Vater Roebuck "Pops" Staples, der seinerseits aus Mississippi stammte und dessen Gitarrenbegleitung vom dortigen Bluesstil beeinflusst war. Sie standen 1953 zum ersten Mal im Studio und gehörten zu den Stars des VeeJay-Labels, zu dem sie 1955 kamen. Neben Vater "Pops" bestand die Gruppe alternierend aus den Töchtern Mavis Staples, die mit ihrem tiefen Alt den Sound - neben Pops hohem Tenor - bestimmte sowie Cleotha, Yvonne und Bruder Purvis.

 

Eine weitere gemischte Chicago-Gruppe waren die Gospel Chimes mit Imogene Greene, Dorothy Norwood und Jessy Dixon, die u.a. James Cleveland begleiteten und ihre ersten Aufnahmen gegen Ende dieser Epoche, 1960, einspielten.

 

Folgende Duette haben ihre Wurzeln in den Fünfzigern bzw. frühen Sechzigern: Die Consolers, ein Ehepaar aus Florida - Iola und Sullivan Pough - mit schönen "down home" Interpretationen seit 1952, die Boyer Brothers, ebenfalls aus Florida und ebenfalls 1952 zum ersten Mal aufgenommen und die O'Neal Twins aus St. Louis. Edward und Edgar O'Neal waren Schüler Willie Mae Ford Smiths und standen 1962 zum ersten Mal in einem Aufnahmestudio.

 

Leider vergessen aber zu den Toppgruppen gehörend, müssen die Raymond Rashberry Singers Erwähnung finden, ein gemischtes Ensemble und bereits 1954 aufgenommen.

 

Zu den frühen Chören gehören Reverend Samuel Kelsey, ein Washintoner COGIC-Prediger und der Chor seiner Temple Church of God in Christ. Kelseys Aufnahmen wurden auch in Europa vertrieben und dies verschaffte ihm Popularität, so dass er anläßlich des ersten American Spiritual and Gospel Festival 1965 und auch im folgenden Jahr auftrat. Kelseys erste Aufnahmen stammen von 1947.

 

Berühmt war der Chor Wings Over Jordan, der bereits vor 1943 aufgenommen haben soll und dessen nachfolgende Aufnahmen ebenfalls von 1947 datieren.

 

Los Angeles entwickelte sich zu einer Hochburg früher Chorproduktionen und hier muss zunächst der St. Paul Baptist Church Choir of Los Angeles, gegründet von Prof. Earl Hines, genannt werden. Sallie Martin war Chorleiterin und ihre Tochter Cora eine der Solistinnen; der St. Pauls stand ebenfalls 1947 in einem Studio.

 

Ein weiterer wichtiger Chor aus L.A. waren die Voices of Victory, auch Victory Baptist Church Choir genannt und 1953 zum ersten Mal aufgenommen.

 

Harlems bekanntester Chor dürften der Harlem Christian Tabernacle Choir gewesen sein, der 1952 aufnahm.

 

Diese Epoche endete - bezogen auf die bekanntesten Chöre - mit dem Back Home Choir, später auch als Greater Harvest Baptist Church of Newark und den Banks Brother auftretend, Detroits Voices of Tabernacle und dem Abyssinian Baptist Choir, ebenfalls aus Newark. Der Back Home Choir hatte einen großen Auftritt beim Newport Jazz Festival 1957 und wurde anlässlich dieses Ereignisses aufgenommen. Die Voices of Tabernacle ähneln einem weiteren alten Chor, dem Angelic Choir of Nutley, New Jersey und backten James Cleveland. Sie wurden 1959/60 aufgenommen. Der Abyssinian Baptist Church Choir stand unter der Leitung von Alex Bradford und seine 1960er Aufnahmen gehören zu den besten Choraufnahmen im Gospel überhaupt. Allen diesen Chören ist eine übergreifende Individualität eigen, die dem Zuhörer den Eindruck vermittelt, jeden einzelnen Chorsänger herauszuhören und der Gesang wird durch sparsamen Einsatz von Instrumenten betont.

 

Gegen Ende des goldenen Zeitalters der Gospelmusik schuf Langston Hughes sein berühmtes Singspiel "Black Nativity", welches nach überwältigendem Broadwayerfolg mit Alex Bradford und seinen Singers, Marion Williams und den Stars of Faith und der blinden Sängerin Pricess Stewart auf Welttournee ging und die schwarze amerikanische Gospelmusik international bekanntmachte. Die Schallplattenaufnahmen dieses Ereignisses stammen von 1962.

 

Die Epoche war gleichzeitig mit der Gründung neuer Schallplattenlabel verknüpft. Zunächst waren die bekanntesten Apollo und King. Es folgten u.a. Specialty, Savoy, Don Robeys Peacock-Label, VeeJay, das erste Label in schwarzem Management sowie Chess bzw. Checker.

 

Als diese Zeitspanne zu Ende ging, hatte sich die schwarze Gospelmusik als eigenständige Musikrichtung etabliert.

 

Urheberrecht / Copyright by Bernd Grimmel, c 2006

 

 

- Die traditionelle Szene nach Gospel's Golen Age

 

 

Die Hayes & Laughton Diskographie aller schwarzen Gospelaufnahmen im Zeitraum 1943 bis 1969 umfaßt über achthundert DinA4-Seiten an Informationen über Sessions und Aufnahmen aller Interpreten und weist damit bereits auf die große Vielzahl an Gruppen, Chören, Solistinnen und Solisten hin, die innerhalb der verzeichneten sechsundzwanzig Jahren die Gospelmusik bereicherten. Inzwischen ist die Flut der Aufnahmen unüberschaubar und nicht mehr dokumentierbar geworden. Entsprechend können und sollen meine Ausführungen über die Zeit ab Mitte der sechziger Jahre bis in unsere Tage nur einen groben Überblick bieten und sind auf jene Szene bezogen, die man heute als "traditional" und / oder "quartet" bezeichnet.

Dieser Stil hat seine Wurzeln in Gospel's Golden Age und der Zeit davor und bedient sich im Gegensatz zur gängigen contemporary Gospelmusik nur verhalten anderer musikalischer Stilrichtungen. Es ist jene Gospelmusik, deren Zuhörerschaft noch heute nahezu ausschließlich aus Schwarzen besteht und die mit den traditionellen schwarzen Kirchen verbunden blieb. Am lebendigsten ist diese Musik in den Südstaaten geblieben. Auch die traditionelle Gospelmusik hat sich weiterentwickelt, wenngleich ihr wesentliche Impulse hinsichtlich radikaler Erneuerungen bislang fehlen. In Konzerten der "quartet"-Szene spielen Emotionalität und persönlicher Ausdruck sowohl auf Seiten des Publikums als auch auf Seiten der Interpreten nach wie vor eine entscheidende Rolle und Konzerte haben ungleich der Massenveranstaltungen von Contemporarykonzerten eine deutliche persönliche Note und bleiben einer weißen Zuhörerschaft eher fremd.

Einige bekannte Sängerinnen der Epoche hatten ihre Karrieren in bedeutenden  Frauengruppen begonnen, danach eigene Gruppen gegründet und anschließend Solokarieren gestartet. Dies betrifft Marion Williams, die die Stars of Faith verließ und vor allem die Mitglieder der Caravans: Dorothy Norwood, Inez Andrews, Albertina Walker und Shirley Caesar. Caesar düfte die heute am meisten respektierteste Gospelsängerin sein, die es zudem schaffte, einen Bogen zwischen der traditionellen und contemporären Gospelszene zu schlagen. Verhaftet in ihrer Kirche und entsprechend hochangesehen blieb Mattie Moss Clark, die Mutter der Clark Sisters. Weiter bestimmten bzw. bestimmen folgende Sängerinnen den Frauengospelgesang: Martha Bass, Louise Candy Davis, Cissy Houston, La Shun Pace, Dottie Peoples, Vanessa Bell Armstrong und Evelyn Turrentine-Age.

 

Viele Frauengruppen aus Gospel"s Golden Age blieben in den sechziger und siebziger Jahren weiterhin aktiv.

 

Zunächst waren es die Ward Singers mit ihrem sopranbetonten Backgroundgesang, die andere Frauengruppen beeinflusst. Dies geschah parallel zur Falsettobegleitung der Quartette und Gruppen wie die Andrews Gospel Singers oder die Watson Sisters griffen diesen Soprangesang auf. Andere Gruppen folgten dieser vorübergehenden Erscheinung nicht. Hierzu gehören die Stars of Faith, die aus den alten Ward Singers hervorgegangen waren, die Loving Sisters, die East St. Louis Gospelettes, die Anointed Pace Sisters und die Truthettes.

 

Besonderer Erwähnung bedürfen die Barrett Sisters. Deloise Barrett und ihr beiden Schwestern gehören zu den berühmten Frauenensembles, die ab den sechziger Jahren Aufnahmen machten und gesanglich ein hohes Niveau erreichten. Delois Karriere begann bereits viele Jahre zuvor bei den Roberta Martin Singers. Delois Barrett Campbell verfügt über eine außerordentliche, volle und verspielte Stimme.

 

Revolutioniert haben die Clark Sisters den Frauengospelgesang mit ihren leicht jazzigen und modernen verspielten Hamonien.

 

Unbeeinflusst von allen diesen Entwicklungen erlangte Sweet Honey In The Rock mit Bernice Johnson Reagon und einer reinen acappella Vortragsweise große Popularität, die letztlich zu einem vermehrten Interesse an dieser Gesangsform und zur Gründung ähnlicher Gruppen führte. Sweet Hony selbst bezieht sich auf das gesamte kulturelle schwarze Erbe und trifft auch polititsche Aussagen.

 

Später waren es Frauengruppen wie die Lumzy Sisters, die McDonald Sisters oder Williams Sisters, die der traditonellen Szene zugeordnet werden und geschätzt waren.

 

Von den Solisten war es James Cleveland, der nun vermehrt mit Chören arbeitete und dessen Erfolg mit dem alten englischen Song "Peace Be Still" 1963 besonderer Erwähnung verdient. "Peace Be Still" war der größte Gospelerfolg vor den Edwin Hawkins Singers mit "O Happy Day". Cleveland beeinflusste die gesamte Gospelmusik nachhaltig und gilt als der wichtigste Interpret der Gospelmusik. Er gründete die Bewegung "Gospel Musical Workshop of America" (GMWA), die die gesamte Gospelszene im Besonderen die Chorszene nachhaltig und bis heute beeinflusste. Aus dieser Bewegung sind viele der heutigen Gospelgrößen hervorgegangen. Jessie Dixon gehört zum Umfeld Clevelands und den anderen Größen Chicagos und ist heute der vielleicht bedeutendeste männliche Solist innerhalb der traditionellen Gospelmusik. Cleophus Robinson, beheimatet in St. Louis und in der Tradition Willie Mae Fords singend, ist ein weiterer berühmter Sänger, der sowohl Gospel's Golden Age als auch der daran anschließenden Zeit zuzuordnen ist. Ein weiterer, inzwischen vergessener Sänger war Professor Herold Boggs. Erwähnt werden soll ferner Morris Chapman. 

 

Innerhalb der Quartettszene wurden die Mighty Clouds of Joy, die Violinaires und die Gospelaires zu den bestimmenden Gruppen, wobei die Clouds of Joy heute nach wie vor aktiv sind. An bedeutenden Leadsängern müssen Joe Ligon - inzwischen eine Legende -  von den Clouds, der verstorbenen Robert Blair von den Violinaires, der früh verstorbene Robert Washington sowie Paul Arnold und Charles McLean von den Gospelaires of Dayton, Ohio erwähnt werden.

 

Andere alte Quartette blieben weiterhin erfolgreich. Dies gilt für die heute noch bestehenden Dixie Hummingbirds und ihren legendären Leadsänger Ira Tucker, für die Blind Boys of Alabama mit Clarence Fountain, die Pilgrim Jubilee Singers und beide Graham Brüder, die Highway QC's mit Spencer Taylor, beide Soul Stirrers Gruppen mit Arthur Crume bzw. Willie Rogers und die Sensational Nightingales mit Brother Joseph "JoJo" Wallace und Horace Thompson.

 

Quartette, die erst nach dem Ende des Golden Age berühmt wurden sind die Brooklyn All Stars mit ihrem Bassleadsänger Thomas Spann und die Jackson Southernaires mit Huey Williams und Luther Jennings. Diese Gruppe wurde immerhin bereits 1940 gegründet. Die Jackson Southernaires sind die älteren Brüder der berühmten Williams Brothers, einer weiteren ausgesprochen beliebten Gruppe. Nach dem Tod von Frank Williams und Vater "Pop" Williams bestehen die Williams Brothers heute aus Melvin und Doug Williams sowie Henry Green. Neben den Williams Brüder sind es die Canton Spirituals, die in den letzten drei Jahrzehnten die Quartettszene maßgeblich mitbestimmt haben und der verstorbene Harvey Watkins Senior und sein gleichnamiger Sohn Harvey Junior sind hier zu nennen. Das jedoch vielleicht bedeutendste Quartett der Zeit nach dem goldenen Zeitalter waren die Gospel Keynotes mit Vorsänger Willie Neal Johnson, der auch unter dem Spitznamen "Countryboy" berühmt ist. Dieses Quartett brillierte neben dem "hard lead" Gesang Johnsons von den beiden berühmten Falsetto-Solisten Paul Beasley und Charles McLean.

 

Weitere bemerkenswerte Quartette aus den sechziger und siebziger Jahren waren George Hines and the Gospel Winds mit schönem Texas-Quartett-Gospel,  Leon Lumkins mit den Gospel Clefs, Willie Banks und seine Gospel Messengers und die Salem Travelers aus Chicago mit Robert Dixon. Aus der gleichen Zeitspanne resultieren das große Ansehen von Howard Slim Hunt und den Supreme Angels und von Troy Ramey und den Soul Searchers aus Atlanta. Weitere aktive alte klassische Quartette sind Tommy Ellison und die Five Singing Stars. Ellisons Karriere schließt Mitgliedschaften berühmter Gruppen wie der Chosen Gospel Singers, Sensational Nightigales, Harmonizing Four ein. Auch der aus Mississippi stammende Lee Williams und seine Spiritual QC's gehören seit mehr als drei Jahrzehnten zur Spitze der zeitgenössischen Quartettszene. 

 

Rance Allan und seine Gruppe bilden eine Verbindung zwischen traditionellem Quartett und zeitgenössischen Arrangements.

 

In den frühen Achtzigern kam es zur Neuorganisation eines der ältesten a-cappella Quartette aus der Zeit vor 1930. Die berühmten Fairfield Four aus Nashville traten nach über zwanzigjähriger Pause erneut auf.

 

Heute wird die Szene von Gruppen wie Keith Wonderboy Johnson und den Spiritual Voices,  Doc McKenzie und den Hi-Lites, Paul Porter und den Christianaires, Luther Barnes und den Sunset Jubilaires, den Bolton Brothers, Bullock Brothers und Texas Boys bestimmt.

 

Männergruppen, die nicht dem Quartett- sondern Gruppengsang zugeordnet werden und in der Zeitspanne bekannt wurden, sind die Newberry Singers aus Philadelphia und die Pattersonaires aus Memphis.

 

Durchaus traditionellen Wurzeln verhaftet und dennoch zeitgenössisch und jazzig sind die Arrangements der a-cappella Gruppe Take 6, die sich selbst als "neo jubilee" bezeichnet und damit auf den alten Jubileestil im Quartettgesang verweist..

 

In den sechziger Jahren änderten die Staple Singers ihren Sound hin zu "folk" geprägtem Gospel und Freedomsongs, um in den Siebzigern ganz in die populäre Szene zu wechseln. In den neunziger Jahren kehrten sowohl Roebuck "Pops" Staples als auch Mavis Staples zurück zu ihren Gospelwurzeln.

 

Wichtige Duette müssen erwähnt werden, die O'Neal Twins aus St. Louis, von Mother Willie Mae Smith geprägt und Reverend F.C. Barnes und Janice Brown. Letztere hatten 1983 einen großen Erfolg mit "Rough Side Of The Mountain", einem "country" angehauchten Song, der durchaus in der Tradition Carolinas steht. Leider singen beide nicht mehr zusammen. Auch Detroits Craig Brothers sind als Duett der traditionellen Gospelszene zuzuordnen.

 

Eine völlig in Vergessenheit geratene Spielart der Gospelmusik waren die Steelgitarristen in den COGIC-Kirchen Floridas. Die Wiederentdeckung geht auf Chris Strachwitz vom Arhoolie-Label zurück, der unter der Bezeichnung "Sacred Steel" verschiedene Alben produzierte. Erwähnt werden sollen die Campbell Brothers sowie Aubrey Ghent.

 

Von den kleineren gemischten Ensembles brachten die Art Reynolds Singers einen neuen, rhythmischen Sound zwischen Frauengesang und Contemporary in die Westküstenszene. Ihre Leadsängerin Glynna Session verfügte über eine gewaltige, kräftige Stimme. Leider verstarb sie bereits Ende der siebziger Jahre. Auch Benny Cummings und seine Singers stehen zwischen traditioneller und contemporärer Gospelmusik. Deutlich "down home" orientiert hingegen waren die Aufnahmen von Bill Moss und den Celestials.

 

Eine ausgezeichnete gemischte Gruppe mit vorwiegend Frauenbackgroundgesang sind Andrew Cheairs und die Songbirds.

 

Die sechziger Jahre mit ihren Rassenunruhen und dem Ende der Bürgerrechtsbewegung, entfernten die schwarze Jugend von den Kirchen. Daher wurde vermehrt kirchliche Jugendsozialarbeit betrieben, um junge Schwarze zurück zu den Gemeinden zu führen. Dies erklärt sowohl die Attraktivität junger moderner Chöre als auch die beginnende stilistische Veränderung der Gospelmusik. Zusätzlich war die bisherige Szene in ihren Songtexten eher auf das Jenseits gerichtet und wurde von jungen Leuten als wenig ermutigend empfunden.

 

Zu den bedeutenden Chören der sechziger Jahre gehört der Garden State Choir. Hier deuten sich bereits neue, andere Arrangements an als die der älteren Chöre. Edwin Hawkins "O Happy Day" war der Gospelhit schlechthin und die Edwin Hawkins Singers können, zumindest in jenen Tagen, auch der traditionellen Gospelszene zugeordnet werden. Um 1970 begann Myrna Summers Choraufnahmen zu produzieren, denen zu Recht viel Beachtung geschenkt wurde. Milton Brunson und seine Thompson Community Singers zählen zu den Spitzenchören der Siebziger und Achtziger und auch Chicagos bekannter Organist und Pianist Maceo Woods war mit seinen Singers äußerst erfolgreich. Weitere bekannte Chöre waren das Brockington Ensemble, die Charles Fold Singers, Herold Smith und seine Majestics sowie der berühmte Chor der Institutional Church of God In Christ. An erfolgreichen Chorleitern müssen Charles Hayes, Clay Evans, Oris Mays, Douglas Miller, Billy Robinson, Clinton Utterbach, Richard Clean White, Thomas Whitfield, Timothy Wright sowie O'Landa Draper Erwähnung finden.   

 

James Cleveland gründete den Southern California Community Choir und nahm überwiegend mit diesem Ensemble auf. Er rief, wie bereits erwähnt, den Gospel Musical Workshop of America ins Leben und beeinflusste die gesamte afroamerikanische Gospelszene. Auch Edwin und Walter Hawkins gründeten eine jährliche Workshopzusammenkunft, die Arts and Music' Seminars.

 

Auch die Bewegung der Massenchöre geht auf die späten sechziger Jahre zurück. Da sowohl die Songauswahl als auch die Arrangements oft "klassisch" sind, ordne ich diese Chöre der traditionellen Szene zu. Einer der ersten dürfte der in Nashville beheimatete BCM Mass Choir gewesen sein, der zudem übergreifend Baptisten, K(C)atholiken und Methodisten in einem gemeinsamen Chor vereinigte. Der wahrscheinlich bekannteste Mass Choir war der Mississippi Mass Choir, von Frank Williams, einem der Williams Brothers, mitbegründet und von James Moore geleitet. Weitere bedeutende Mass Choirs waren der Florida Mass Choir, der Georgia Mass Choir und der New Jersey Mass Choir.

 

Urheberrecht / Copyright by Bernd Grimmel c 2007

 

 

- Die Anfänge der Contemporary Gospel Music -

 

 

Fakt+DiskussionEdwin Hawkins "Oh Happy Day" und seine anderen frühen Aufnahmen fügen sich in die damaligen Chorproduktionen ein, unterscheiden sich nicht von anderern Chören dieser Zeit und sind stilistisch der traditionellen Gospelmusik zuzuordnen. Anders verhält es sich mit Andrae Crouch und seinen Disciples und so kann man Crouch als "Vater" des Contemporary bezeichnen. Er übernahm in seine Interpretationen und Arrangements Elemente der damaligen populären Musik und leitete damit eine Wende ein. Sowohl der Backgroundgesang als auch die musikalische Begleitung orientierten sich weniger an dem, was bislang üblich gewesen war. Crouch ist seiner Zeit voraus gewesen und ist seinem Ideal über Jahrzehnte treu geblieben. Er inspirierte weitere, nachfolgende Gruppen. Sandra Crouch zählt zu den bedeutenden Sängerinnen im neuen Stil ebenso wie Dannibelle Hall, beide ehemals Mitglieder der Disciples. Aus den späten 60er Jahren gibt es sowohl traditionelle als auch moderne Aufnahmen der Art Reynold Singers und ihre, mit einer mächtigen Stimme brillierende Topsolistin Glynna Session hat ebenfalls Songs aufgenommen, die als contemporary orientiert charakterisiert werden müssen. Weiterhin war es die Rance Allen Group, ein Männertrio aus Detroit, welches unübliche Wege beschritt und Einfluß auf den Quartettgesang nahm, wobei Allens Soloparts noch am herkömmlichen Leadgesang orientiert waren. Richard Smallwoods Karriere begann in den späten 70ern. Viele der frühen Contemporarygruppen waren gemischte Ensembles, dazu gehören meines Wissens auch die Benny Cummings Singers, die Anfang der 70er Jahren sehr populär wurden, die Howard Lemon Singers und, weniger bekannt, Teddy Grover & Joy oder die George Garrison Singers. Es war Walter Hawkins, der sich mit progressiven Chorarrangements auseinandersetzte, und damit viele junge Sänger und Sängerinnen anzog und auf diese Weise die gesamte Chorszene beinflußte, und sein Bruder Edwin Hawkins, der mit seinen Music & Arts Seminaren zur Verbreitung dieser Musik maßgeblich beitrug. Tramaine Hawkins ging später eigene Wege und wurde zu einer der bedeutenden Solistinnen im modernen Stil. Auch Vanessa Bell Armstrong würde ich zu den großen Contemporary Sängerinnen zählen, ebenso Deniece Williams. Eine weitere, inzwischen legendäre Gruppe waren die Winans, von denen wiederum BeBe, CeCe und Vickie Winans erfolgreiche Solokarrieren starteten. Zu den vergessenen Familiengruppe mit durchaus hörenswerten und interessanten Aufnahmen zählt die Nicholas Family. Auch Leon Patillo, ein bedeutender Vertreter des frühen Contemporary ist in Vergessenheit geraten. Dies mag ein Teil der Kurzlebigkeit jener modernen Gospelmusik und ihrer jungen Zuhörerschaft sein, die zwar viele Aufnahmen produziert aber den Weg in die schwarzen Kirchen nicht immer findet. Selbst Shirley Caesar versuchte sich in den 70er Jahren mit modernen Arrangements, konnte sich jedoch nicht durchsetzen und kehrte zu eher traditionellen Aufnahmen zurück. Gleiches gilt für Jessy Dixon, der damals den Begriff "Christian Rock" für jene neue Musik verwendete und damit ausdrücken wollte, daß dies in seinem Verständnis keineswegs Gospelmusik sei. Al Greens Einfluß ist ebenfalls bedeutend. Green kam aus der kommerziellen Musik und integrierte diese in seinen Gospeldarbietungen. Damit verwischte er bislang akzeptierte Grenzen zur zeitgenössischen Soulmusik und lediglich seine Texte drückten aus, daß es sich um religiöse Musik handelte. Weitere Contemporaryinterpreten der ersten Stunden sind Sherman Andrus und Ernest Franklin. Auch der Einfluß der von James Cleveland ins Leben gerufenen Gospel Music Workshops Of America auf die zeitgenössische "choir music" dürfte unbestritten sein, viele Solisten dieser Workshops sind heute Contemporarygrößen, etwa Kurt Carr, Daryl Coley oder Donald Vails. Auch die Clark Sisters gingen als progressive Frauengruppe neue Wege, um diese in späteren erfolgreichen Solokarrieren, fern der herkömmlichen schwarzen Kirchenmusik, fortzusetzen: Twinkie Clark Terrell, Karen Clark Sheard und Dorinda Clark gehören zu den Superstars von heute. Unter den älteren, progressiven Chorleitern seien Keith Pringle, Walter Whitman und Thomas Whitfield erwähnt, deren Arangements eng an die Musik Hawkins anknüpft. Sicher ist dieser Artikel keine komplette Auflistung aller bekannten älteren Contemporarygrößen sondern lediglich eine Orientierungshilfe und man möge mir nachsehen, wenn ich wichtige frühe Interpreten vergessen haben sollte. Ein großes Problem für Interessierte stellt die Tatsache dar, daß die Flut an Gospelaufnahmen seit den 60er Jahren ständig wächst und es immer schwieriger wird, einen repräsentativen Überblick zu behalten.

Urheberrecht / Copyright by Bernd Grimmel, c 2003

 

- Anmerkungen über die Verwendung von Musikinstrumenten in der Gospelmusik -

Erste Instrumente waren Klavier und Gitarre. Der Klavierstil war am Ragtime orientiert und hier ist besonders Arizona Dranes zu erwähnen. Quartette haben zunächst, bis in die späten vierziger Jahre, a-cappella gesungen.

Die Streetgospelsingers/Guitarevangelists waren "Blues"sänger, die sich auf der Gitarre begleiteten aber ausschließlich religiöse Lyrics gesungen haben (z.B. Blind Willie Johnson, portraitiert in Wim Wenders Film "The Soul Of A Man"). Auf diese Weise dürfte die Gitarre einen immer größeren Einfluss gewonnen haben.
Eine der legendären Gospelsängerinnen war Rosetta Tharpe und sie hat sich auf der Gitarre begleitet. Auch
Pops Staples hat seine Staple Singers zunächst ausschließlich auf der Gitarre begleitet und spielte einen
deutlichen Mississippi-Stil. Als er starb, fand sein Ableben innerhalb der Bluesenthusiasten mehr Beachtung als in den Kirchen.

Besonders der ländliche Süden war arm, sodass die Orgel erst später, in großen Gemeinden und im Norden zum Einsatz kam. Alte, billige Klaviere waren leichter organisierbar.

Um 1950 wurde es im Quartettgesang üblich, zunächst Gitarre oder Schlagzeug alleine zu verwenden, bevor Bass, Piano und auch Orgel hinzukamen. Frauengruppen verwendeten frühzeitig die übliche musikalische Begleitung von Klavier und / oder Orgel, die anderen Instrumente wie Schlagzeug und Bass, auch Gitarre, kamen dann hinzu.

Eine klassische Besetzung besteht aus Piano und / oder Orgel, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Keyboards mit allen damit verbundenen Möglichkeiten wurden erst spät, geschätzt in den späten 60ern und frühen 70ern verwendet.

Mahalia Jackson und auch andere haben zudem Aufnahmen mit Orchestern gemacht.

Manche Schallplattenlabels hatten ihre eigenen Pianisten oder Organisten. Einer dieser Hausorganisten des Savoylabels war z.B. Herman Stevens, der zwar auf den meisten Savoyalben nicht namentlich erwähnt wird aber fast überall dabei ist und den Sound der Ensembles mitprägte.

Ab Mitte der 50er Jahre hatten einige Quartette ihre eigenen Gitarristen, die auch schnell bekannt und beachtet wurden, Howard Carroll bei den Dixie Hummingbirds, Brother Joseph "JoJo" Wallace bei den Sensational Nightingales, Linwood Hargrove bei den Swan Silvertones oder - ganz funky - William Crawford beim Swanee Quintet, um einige der wichtigsten Quartette zu nennen.

Auch die Frauengruppen hatten ihre Pianisten: Curtis Dublin spielte mit den Davis Sisters, Evelyn Starks mit den Gospel Harmonettes, James Cleveland mit den Meditation Singers und Caravans, auch Eddie Brown und James Herndon mit der letztgenannten Gruppe.

Mahalia Jacksons Pianistin über viele Jahre, von ihrer Apollo-Zeit bis in die sechziger Jahre bei CBS, war Mildred Falls.

Die heute übliche "orchestrale" Begleitung vom Keyboard und mit Sythesizers ist relativ jung.

Interessante Varianten sind die wenigen Mundharmonikaspieler( etwa Dan Smith), Hawaiigitarristen (Sacred Steel: Campbell Brothers, etc.) oder sonstige Instrumentalisten wie etwa Vernard Johnson, der sein Saxophon ausschließlich für den Herrn spielt.

Urheberrecht / Copyright by Bernd Grimmel, c 2005

 

 

 

 

Kostenlose Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!